Mit dem lichtschwachen Telezoom die richtige Belichtung für ein scharfes Foto zu treffen ist nicht ganz einfach. Zumindest auf den ersten Moment nicht. Wenn man die Thematik sich einmal verinnerlicht hat, ist es zumindest theoretisch kein Problem mehr.
Für meine Fujifilm X-T5 habe ich mir ein Telezoom mit 100-400 mm Brennweite mit variabel beginnender Anfangsblendenöffnung angeschafft. Diese liegt bei dem Objektiv in dem Bereich von 4.5 bis 5.6, wobei die 5.6 sehr schnell erreicht wird wenn man weiter als 100 mm zoomt.
Wo setzt man solch ein Objektiv ein?
Immer dort wo man nicht nah genug an das Objekt herankommen kann, sei es aus örtlich gegebenen Behinderungen oder aus Notwendigkeit in der Tierfotografie. Gerade bei der Tierfotografie draußen in der Natur möchte und darf man nicht die Tiere aufschrecken und stören. Hier müssen wir auf Distanz bleiben. Für eine große Abbildung der Tiere kommen wir dabei nicht um Teleobjektive herum. Für größtmögliche Flexibilität in der Wahl der passenden Brennweite stehen die Tele-Zoom-Objektive. Diese sind in der Regel nicht die lichtstärksten Objektive. Und darin liegt das Dilemma um das es hier geht.
Die Belichtungszeit ist entscheidend!
Gegen unscharfe Bilder, sei es durch das eigene Gewackel mit der Kamera oder die Bewegung des Objekts, ich bleibe hier mal bei dem Tier, hilft nur eine kurze Belichtungszeit. Und bei solch langen Brennweiten fängt das Objekt im Sucher ganz schnell an zu tanzen. Bestenfalls benutzen wir ein Stativ. Dann geht es nur noch um die Kompensation der Bewegung durch das Tier selbst. Und hier gilt dann natürlich im wahrsten Sinne des Wortes welches Tier es ist. Eine Eule ist nicht die schnellste in der Bewegung oder das Faultier im Zoo. Aber Wildtiere und Vögel sind da schon mal ganz schön schnell unterwegs. Also insgesamt eine Herausforderung. Und wenn sich das dunkle Tier auch noch in einer dunklen Umgebung aufhält, dann sind wir in der maximalen Herausforderung angekommen.
Eine 1/2000 Sekunde Belichtungszeit kann schnell knapp werden. Und je nach Kameramodell ist da nicht viel Spielraum in Richtung noch kürzerer Zeit. Manche Kameras schaffen bis zu 1/8000.
Blende weiter öffnen?
Wir brauchen auch eine gute Portion Schärfentiefe und die ist bei Tele-Zoom-objektiven nur mit deutlich geschlossener Blende zu erreichen. Also ist das Öffnen der Blende nicht immer eine gute Wahl. Bei meinem Objektiv bleibe ich aber bei der möglichst kleinen Blende und nehme in Kauf, das Tier nicht in voller Gänze scharf abzubilden. Das Gesicht, die Augen müssen scharf abgebildet sein.
Bildretter ISO!
Die Blende ist offen, die kürzest mögliche Zeit ist eingestellt und das Bild wird zu dunkel, dann hilft es nur noch am ISO zu schrauben. Und nur Mut, dazu rate ich. Auch bei APS-C und Mikro4/3 bitte keine Angst vor ISO Rauschen. Hierzu werden viele Mythen im Internet verbreitet. Und letztlich gibt es ja noch die Bildbearbeitung die heuer sehr gut in der Lage ist, Bildrauschen zu entfernen ohne die Bildqualität zu verschlechtern. Und lieber ein leicht rauschendes Foto als gar keines.
Und noch etwas
Den Bildfolgemodus umstellen auf Serienbild!
Den Autofokusmodus umstellen auf Kontinuierlich!
Üben Üben Üben!
Übung im Umgang mit dem Telezoom und den Einstellungen der Kamera sind immens wichtig. Nicht erst bei der Safari mit der neuen Kamera und dem neuen Objektiv anfangen. Tiere gibt es auch in der Stadt, und wenn es nur die überall präsenten Tauben sind. Das kontinuierliche Üben ist wichtig. Schau Dir die Bilder an, welche sind zu hell, welche zu dunkel und was war eingestellt? Mit der Zeit bekommst Du ein Gespür für die Wahl der Belichtungszeit. Zu Anfang wählst Du wahrscheinlich eine zu kurze Belichtungszeit um sicher zu gehen. Taste Dich da ran, versuche auch längere Belichtungszeiten um zu erforschen, was leistet der Bildstabilisator in der Kamera. Je länger die Belichtungszeit desto weniger ISO brauchst Du.
Und jetzt, hoffentlich mit meinen Tipps, viel Freude bei der Tierfotografie mit dem Tele-Zoom-Objektiv.